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Vor sechzig Jahren griffen auf Kuba die Diktaturgegner zwei Kasernen an

Der heutige 26. Juli ist auf Kuba ein Nationalfeiertag. Vor sechzig Jahren machten sich junge Leute, viele davon Studierende, an zwei Orten daran, die ein Jahr zuvor installierte Diktatur unter General Fulgencio Batista militärisch zu stürzen.

MoncadaBatista hatte im März 1952 die Macht an sich gerissen, zweieinhalb Monate bevor am 1. Juni Wahlen stattfinden sollten. In einer Reflexion schreibt der Kubaner Juan Nuiry Sánchez in „Cubadebate“, dass angesichts des Staatsstreichs eine politische Leere entstanden war, in der es an historischer Vision mangelte. Aus der Studierendenschaft hingegen gab es da und dort Zeichen politischer Reife: am 27. Januar 1953, am Abend vor dem hundertsten Geburtstag von José Martí, fand ein vom Studierendenverband FEU organisierter Fackelmarsch statt, nachdem zwei Wochen zuvor der Student Rubén Batista bei Protesten gegen die Schändung des Ehrenmals von Julio Antonio Mella, Gründer der Kommunistischen Partei Kubas, getötet worden war. Darunter war eine Gruppe junger Leute, der auch Fidel Castro angehörte. Juan Nuiry schreibt, dass „ein Teil von ihnen die Insel von West nach Ost durchquerten; einige fuhren nach Bayamo, andere zum Hof Siboney, nur siebzehn Kilometer von Santiago entfernt“, wo sie synchron am Morgen des 26. Juli 1953 die Kasernen Moncada in Santiago und Carlos Manuel de Céspedes in Bayamo angriffen.

Militärisch scheiterten die Attacken, obwohl es zunächst nach einem Erfolg ausgesehen hatte, weil das effektiv genutzte Überraschungsmoment für die Angreifenden sprach. Nach der Niederschlagung der Angriffe rächte sich die Diktatur Tage später blutig an den Aufständischen, indem Gefangene gefoltert und erschossen wurden statt ihnen den Prozess zu machen. Ausnahmen bildeten Fidel und Raúl Castro. Fidel hatte soeben sein Jurastudium abgeschlossen. Er nahm die politische Verantwortung auf sich, nannte aber José Martí den „intellektuellen Urheber“ der Angriffe. Mit seiner berühmten Verteidigungsschrift, die mit den Worten „Die Geschichte wird mich freisprechen!“ begann, wurde Fidel zum Ankläger und wendete so die militärische Niederlage zum politischen Sieg. Juan Nuiry: „Der Angriff auf die Moncada-Kaserne endete nicht, als man die letzten Schüsse hörte, im Gegenteil begann er da erst: die Angriffe auf die Kasernen bekräftigten die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfs, gaben ein Programm, beendeten eine Etappe und eröffneten eine neue.“ Fidel Castro und einige seiner Getreuen mussten ins Exil. Von Mexiko aus organisierten sie einen neuen Anlauf zum Sturz der Diktatur. Am 2. Dezember 1956 gingen sie von Bord der Yacht „Granma“ und organisierten nach ersten militärischen Rückschlägen die Bauern des Ostens und später des ganzen Landes.

Fünf Jahre, fünf Monate und fünf Tage nach jenem 26. Juli 1953 war es soweit: am 31. Dezember 1958 floh Fulgencio Batista. Am 1. Januar 1959 zog Fidel in Santiago de Cuba ein, während der Westen mit der Hauptstadt Havanna von den Einheiten Che Guevaras eingenommen wurde.

Günter Pohl

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