DKP
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Eine Erwiderung auf Hans-Peter Brenners Diskussionsbeitrag „Zur schwierigen Dialektik von Kritik im Detail und der Verteidigung des gemeinsamen großen Ganzen“ in Reaktion auf Renate Münders Beitrag „Gewerkschaften in der Krise“

Bei der Lektüre von Hans-Peter Brenners Einwänden gegen die Ausführungen von Renate Münder, fiel mir auf, daß bei ihm die von R. Münder ausgerollte und detailierte Analyse keine Rolle zu spielen scheint – er kümmert sich in seiner Entgegnung um die Fakten dieser Darlegungen kein bißchen. Ein Umstand, der für die von der DKP geplanten Konferenz zu ‚Klassenkämpferische Gewerkschaftspolitik’ im Oktober nichts Gutes ahnen läßt.

Einerseits gönnt Brenner „Kritik im Detail“, nimmt dann aber für sich ganz paternalistisch die Rolle des Verteidigers eines „gemeinsamen großen Ganzen“ in Beschlag, behauptet Dialektik, redet aber um den heißen Brei herum und ignoriert die Faktenlage genau dieser hartnäckigen Details.

Als jemand, der nicht Mitglied der DKP ist, aber über Jahrzehnte eben kommunistischer Gewerkschaftsaktivist, sehe ich, vielleicht mit Ausnahme der Berliner Parteiorganisation, die DKP schon lange nicht mehr unter denen, die organisiert und ganz praktisch sichtbar für die Entwicklung wenigstens von Elementen von Klassenbewußtsein agieren. Das kann nicht nur mein bloß subjektiver Eindruck sein, denn Brenner selbst räumt dies ja ein. Allerdings wirkt sein Hinweis auf einen Parteibeschluß von 1982 (!), man wolle in den hundert größten Konzernbetrieben Parteigruppen aufbauen, eher wie ein verklärender Verweis auf irgendeine ‚gute alte Zeit’.

Die von R. Münder referierte Entwicklung der Gewerkschaften, die auch in der DKP kollektiv zur Kenntnis genommen und Teil der strategischen und taktischen Linie werden muß, geht einher mit einer veränderten Zusammensetzung der ArbeiterInnenklasse sowie veränderten Organisationsformen des Kapitalismus und seiner Reproduktion. All dies wird von ihr angesprochen und verlangt nach zeitgemäßer praktischer Umsetzung, nicht aber nach Verklärung.

Das müßte in meinen Augen sogar noch deutlicher akzentuiert werden: Es kann der durch und durch kapitalfreundlichen Handlungsweise von Gewerkschaftsführern wie etwa Huber und Sommer wohl kaum damit begegnet werden, indem man sich stets die Tatsache vor Augen hält, daß sich vor sechzig oder siebzig Jahren Kommunisten und Sozialdemokraten gleichermaßen in den Konzentrationslagern der Nazis wiederfanden, wie es Brenner fordert.
Meine Erfahrung sagt mir: Es kann kein Erfolg in Hinblick auf den Zusammenschluß der ArbeiterInnenklasse für sich errungen werden, wenn nicht in der täglichen Arbeit ein Trennungsstrich zu solchen Sitzriesen wie Huber und Sommer gezogen wird. Historische Lehren sind gut und schön, aber beim europäischen Streiktag am 14. November letzten Jahres konnten nennenswerte gewerkschaftliche Aktivitäten nur gegen den Willen der Gewerkschaftsführung organisiert werden!

Denn die genannten Gewerkschaftsführer sind doch längst schon Teil der anderen Klasse geworden – materiell und ideell. Man kann ihnen also ‚Opportunismus’ oder ‚mangelnde Konsequenz’ kaum vorwerfen, die handeln so, weil sie andere Interessen haben.
Du kannst als Kommunist oder Kommunistin bei einen Konflikt wie z.B. bei Opel-Bochum gar nicht weitertreibend eingreifen, wenn du dich nicht vom miesen Spiel des Hauptvorstands der IG-Metall und dem Gesamtbetriebsrat von Opel distanzierst. Kein Wunder also, wenn in diesen Tagen und mindestens in dieser Frage von der DKP nicht viel zu vernehmen ist. Da sind auch H.P. Brenners Warnungen vor Renate Münders Analyse nicht gerade hilfreich.

 

Anmerkung der Redaktion

Nach Meinung von Hans-Peter Brenner belegt die abschließende Einschätzung von Frank Braun, dass „H.P. Brenners Warnungen vor Renate Münders Analyse nicht gerade hilfreich“ seien, dass Frank Braun H.-P. Brenners Beitrag missverstanden habe. H.-P. Brenner habe vielmehr vor der falschen Praxis gewarnt, „von außen“ dem DGB eine Mängelliste vorzulegen anstatt als Teil der aktiven und klassenbewussten Kolleginnen und Kollegen vor Ort über Änderungen nachzudenken – und das in einer Lage, in der die eigene Gewerkschafts- und Betriebsarbeit der DKP sehr schwere Mängel aufweise.

Autor

Frank Braun

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